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Wo soll's denn hingehen?

27
November
2013
Biketrip – The Far North

Day 1 – 16.11. – 45km – Kawakawa-Kaikohe

Der Biketrip fängt an! Wir standen um 8 Uhr auf, gegen 9 Uhr brachen wir dann auf. Zuerst gings zu den Hundertwasser-Toiletten. Warum die dort sind weich nicht, aber sie zu benützen fühlt sich auch nicht anders an. Der nächste Punkt auf unserem Plan waren die Kawiti Glowworm Caves, rund 5km außerhalb der Stadt. Für $15 gabs eine Führung durch die Höhle. Die Glühwürmer sind unglaublich. In der Höhle sah es so aus, als ob man den Sternenhimmel betrachten würde. Tausende Würmer waren an der Decke verteil und schienen ihr blaues Licht, welches sie verwenden um Beute anzulocken. Leider war es nicht erlaubt Fotos zu machen :(

Von der Höhle ging es wieder zurück nach Kawakawa, wo wir noch Proviant kauften.

Nach einer kurzen Mittagspause ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, ging es 22km über eine teils asphaltierte, teils Schotterstraße und über einige Hügel bis zu einem weiteren Railtrail (das sind Radwege die auf ehemaligen Zugstrecken angelegt wurden und daher hauptsächlich flach und einfach zu fahren sind).

Photo by Sarah Lamarche

Photo by Sarah Lamarche


Photo by Sarah Lamarche

Photo by Sarah Lamarche


7km später kamen wir dann in Kaikohe an. Dort füllten wir unsere Wasserreserven auf und machten uns auf die Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht. Wir fanden ein kleines Waldstück an einer Seite des Trails in Richtung Okaihau, das genug Sichtschutz vom Trail gab.

Wir waren beide hungrig und müde und so begannen wir sofort zu kochen. Danach planten wir den nächsten Tag / die nächsten Tage und mich überkamen leichte Zweifel, ob wir die Tour schaffen würden. Die paar Hügel heute waren wirklich unglaublich schwer. Habe ich zu schwer gepackt? Was machen wir, wenn wir die Tour nicht schaffen? All diese Fragen geisterten vor dem Schlafengehen durch meinen Kopf. Aus dem Unterholz kamen dazu noch komische Geräusche. Alles in allem keine guten Vorzeichen für eine erholsame Nacht.

 

Day 2 – 17.11. – 75km – Kaikohe – Okaihau – Horeke – Rawene

Wir starteten um 9:40, knapp 40 Minuten nachdem wir aufwachten. Der Tag sollte kürzer als der letzte werden. Nach etwas mehr als 30km wollten wir ein Boot in Richtung Rawene oder Kohukohu nehmen.

Photo by Sarah Lamarche

Photo by Sarah Lamarche


Der erste Teil des Weges war ziemlich leicht, die 11km nach Okaihau folgten wir dem Railtrail. Von dort ging es dann beinahe ausschließlich bergab oder gerade aus, zuerst auf einer asphaltierten und dann auf einer Schotterstraße nach Horeke. Dort versucheten wir ein Boot zu finden. Nachdem wir ein bisschen ziellos herum irrten fanden wir dann heraus, dass es kein Boot gibt, das den Hokianga Harbour von hier aus durchquert. Unser Guidebook war da ein bisschen unzuverlässig. Der Mann mit dem wir sprachen sagte uns, dass es zwei Optionen gäbe:
1) zurück nach Okaihau, oder
2) nach Rawene zur Fähre.

Wir entschieden uns für die zweite Option, da es dort auch Unterkünfte und ein Lebensmittelgeschäft gab und wir beides gut gebrauchen konnten. Der Mann sagte uns auch, dass der Weg ziemlich hügelig wäre. Das war nicht gelogen.

Photo by Sarah Lamarche

Photo by Sarah Lamarche


Es war mittlerweile bereits nach 13 Uhr und so legten wir eine Mittagspause ein, bevor es weiterging. Von Horeke ging es rund 8km lang eine Schotterstraße bergauf. Die engen Kehren machten das Vorankommen sehr beschwerlich. Als nach einer kurzen Abfahrt die Straße dann aspahltiert war fühlte sich das Fahren an wie Schweben.
Photo by Sarah Lamarche

Photo by Sarah Lamarche


Ein paar Kilometer später erreichten wir die Kreuzung mit Highway 12, der uns nach Rawene führte. Dazwischen lagen allerdings noch ein paar Hügel, der letzte davon brachte mich körperlich und mental an meine Grenzen an diesem Tag. Ich wollte und konnte nichtmehr und verfluchte jedes unnötige Gramm, dass ich in meinen Taschen hatte. Rund 5km später kamen wir dann zur Abzweigung nach Rawene. 6 km stand auf dem Schild. 5,5 davon waren glücklicherweise flach, am Schluss gab es aber noch einen letzten Hügel zu überwinden. In Rawene angekommen suchten wir nach dem Holiday Park, den es laut unserem Guidebook hier geben sollte. Ein Holiday Park ist ein besser Campingplatz oft mit kleineren Apartments. Dieser lag (natürlich) auf einem Hügel am höchsten Punkt des Dorfes. An der Rezeption legten wir gerne die $16 für die erste Dusche seit 2 Tagen und einen Zeltplatz ab. Den Rest des Abends, es war mittlerweile fast 20 Uhr, verbrachten wir in der Küche, kochten Abendessen und tranken Tee. Danach hatten wir noch einen Blick auf das Höhenprofil des nächsten Tages. Nichts als Hügel…

 

Day 3 – 18.11. – 65km – Rawene – Ahipara

Alle unsere Sachen waren feucht vom Morgentau, als wir um 9 Uhr aufstanden und unsere Sachen packten. Die Fähre ging um 10:30 und wir mussten noch Proviant für den Tag kaufen. Vom Holiday Park rollten wir hinunter ins Dorfzentrum, um im kleinen Supermarkt das Nötigste zu besorgen. Als wir fertig waren stand auch schon die Fähre bereit, die gleich neben dem Supermarkt ablegte. Für nur $2 gab es die Überfahrt nach Kohukohu, die knapp 10 Minuten dauerte.

Kurz vor 11 Uhr brachen wir dann auf, zu einem Tag, der wohl der schwerste bis dahin werden sollte. Der erste Teil war flach und so legten wir ein gutes Tempo an den Tag. Meine Beine fühlten sich trotz der Strapazen am Vortag gut an.

Dann begannen die Hügel. Rund eine Stunde ging es fast nur bergauf. Dann kam eine Abfahrt nach Broadwood, wo wir eine kurze Snackpause einlegten. Um die Strapazen besser bewältigen zu können machten wir 10-15 Minuten Pause nach jeder Stunde und dazu kurze Verschnaufpausen auf dem höchsten Punkt eines Hügels.

Die Strategie schien aufzugehen die Hügel, die noch vor 2 Tagen so unbezwingbar aussahen wir machbar, unter Schweiß und Gekeuche, aber machbar. Nach einer zweiten Snackpause ein paar Kilometer außerhalb von Herekino nahmen wir dann den letzten Hügel des Tages in Angriff. 150 Höhenmeter trennten uns von der Spitze. Mit einem Puls wie eine Nähmaschine und um ein paar Liter Schweiß leichter erreichten wir diese dann jedoch. Von dort führte eine Abfahrt zu einer Kreuzung. Ahipara und Kaitaia waren die Optionen. Wir entschieden uns für Ahipara, wo wir im kleinen Lebensmittelshop für teures Geld noch ein bisschen Gemüse fürs Abendessen kauften.

Wir übernachteten wieder in einem Holiday Park (wieder $16, diesmal mit WLAN). Wir nutzten das Internet um die nächsten Tage zu planen. Ein Transport vom Cape Reinga nach Süden wäre praktisch gewesen, so etwas gibt es aber anscheinend nicht.

 

Day 4 – 19.11. – 30km – Ahipara – Waipapakauri

Heute legten wir einen Ruhetag ein. Nach den anstrengenden Tagen die hinter uns liegen und mit Blick auf die anstrengenden Tage, die noch vor uns liegen ist dies auch bitter nötig. Wir schliefen also aus, machten Spiegeleier zum Frühstück und brachen gegen 13 Uhr auf. Die rund 20 km nach Waipapakauri ging es bereits am Ninety Mile Beach entlang. Dieser Strand wird als Highway betrachtet und so dürfen dort auch Autos fahren und die Geschwindigkeitsbegrenzung ist 100 km/h.

Photo by Sarah Lamarche

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90 Mile Beach scheint endlos zu sein und der Gegenwind machte das Radeln schwerer als erwartet. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichten wir Waipapakauri, wo wir unsere Wasserflaschen mit Wasser zum Kochen auffüllten, Trinkwasser gab es leider keines.
Photo by Sarah Lamarche

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Es hatte bestimmt 25 Grad und die Sonne brannte vom Himmel. Wir beschlossen noch weitere 45 min zu fahren und dann nach einem Platz für die Nacht zu suchen. Hinter einer Düne wurden wir dann fündig. Ich nahm ein erfrischendes Bad im mehr, bevor wir noch ein bisschen in der Sonne saßen. Danach schleppten wir unser ganzes Zeug über die Düne, da die Flut sehr weit hereinkommt und wir kein Risiko eingehen wollten.
Photo by Sarah Lamarche

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Mein linker Arm ist feuerrot, ich habe wohl vergessen ihn in der Früh einzuschmieren. Das wird wohl eine länger anhaltende Erinnerung an diesen Tag.

 

Day 5 – 20.11. – 65km – Waipapakauri – Waitiki Landing

Wir wachten gegen 9 Uhr auf, wussten aber, dass wir noch warten mussten bis die Flut vorbeiging um starten zu können. Wir frühstückten also gemütlich und genossen es, dass die Sonne gerade nicht vom Himmel brannte. Entlang des 90 Mile Beach gibt es nämlich keinen Schatten.

So lange Zeit zu haben und einfach nur den Wellen zu lauschen machte mich ganz melancholisch.

Kurz nach Mittag brachten wir unsere Sachen hinunter an den Strand und machten unsere Räder bereit zur Abfahrt. Wir mussten noch ein bisschen länger warten bis sich das Meer weit genug zurückgezogen hatte  um die harten, befahrbaren Teile freizugeben.

Photo by Sarah Lamarche

Photo by Sarah Lamarche


Gegen 13 Uhr konnten wir endlich starten. Es war noch immer bewölkt und eine kühle Brise blies den Strand entlang. Diese kam glücklicherweise von schräg hinten und machte das Radeln etwas einfacher. “easy, but boring” war die treffende Beschreibung dieses Abschnitts im Guidebook. Die einzige Abwechslung auf diesem langweiligen Strand verschaffte ein Truckfahrer, der Sarah, die ein bisschen hinter mir fuhr, aufgabelte und ein paar Minuten vor mir wieder absetzte.

Es dauerte insgesamt 4,5h bis wir das Ende des Strandes, den Te Puki Stream erreichten. Von dort ging es ein paar, sehr beschwerliche, Kilometer stromaufwärts bis zu den Te Paki Riesendünen. Von dort waren es weitere 3km über den Hügel auf einer Schotterstraße bis zum Highway 1. Diesem folgten wir dann noch ein paar weitere, hügelreiche, Kilometer bis nach Waitiki Landing. Mittlerweile war es 19 Uhr.

Zu unserer Überraschung kostete eine Nacht im Holiday Park nur $10+$1 für einen Dusch Token. Warmwasser gibt es damit für rund 5 Minuten. Nichts für einen Warmduscher wie mich ;)

Nach einem schnellen Abendessen gingen wir bald schlafen, womit ein langer, anstrengender und trotzdem wenig ereignisreicher Tag zu Ende ging.

 

Day 6 – 21.11. – 46km – Waitiki Landing – Cape Reinga – Waitiki Landing

Müde von den letzten Tagen schliefen wir bis 10 Uhr. Wir hatten die Reste vom Abendessen zum Frühstück, bevor wir die Fahrräder um die Taschen erleichterten und kurz vor Mittag aufbrachen. Es war bewölkt und windig und es lagen 20km bis zum Cape Reinga vor uns.
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Diese gestalteten sich weitaus hügeliger als erwartet und ich kam zur Einsicht, dass es auch ohne zusätzliches Gepäck schwer ist diese ganzen Hügel hinauf zu radeln. Es dauerte zwei Stunden bis wir das Cape erreichten. Dort angekommen spazierten wir zum berühmten Leuchtturm und noch ein bisschen in der Gegend herum.
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Auf dem Rückweg stoppten wir für einen kleinen Snack, da am Cape selbst das Essen verboten ist. Dies liegt daran, dass dieser Ort den Maori heilig ist. Ihrem Glauben nach, ist dies der Ort von dem aus ihre Seelen auf die Reise in die Unterwelt aufbrechen. Am Weg zurück zum Camp machten wir einen Umweg zu den Te Paki Riesendünen. Diese sind bestimmt 60 Meter hoch und erheben sich, wie aus dem Nichts, zwischen dem Ozean und den angrenzenden Wäldern.Wir erklommen eine dieser Dünen und oben angekommen fühlt man sich wie in der Mitte einer endlosen Wüste. Auch das ist Neuseeland.
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Photo by Sarah Lamarche

Photo by Sarah Lamarche


Danach beeilten wir uns wieder zurück zu kommen, da der einzige Shop hier im äußersten Norden, der praktischer Weise Teil des Holiday Parks ist, “ca. um 6″ schließt. Man kann es sich vermutlich erlauben früher zu schließen, wenn man der nördlichste Shop im Land ist.

Laut dieser Beschreibung glaubt man jetzt wahrscheinlich, dass dieser Shop eine Oase gefüllt mit allen Notwendigkeiten des täglichen Lebens ist. Weit gefehlt. “Der Shop”, das sind vier halbleere Regale und ein paar ziemlich leere Kühlschränke. Ganze zwei Liter Milch wären hier zu haben, drei Kilo Käse aber kein Brot, kein Obst und kein Gemüse.

Wir kauften die einzigen zwei Dosen Baked Beans dazu noch Milch und Cornflakes, Nudeln und Pasta Sauce. Damit war der Shop schon fast leer gekauft. Ich freue mich schon auf Kaitaia, die nächstgrößere Stadt, um wieder frisches Obst und Gemüse kaufen zu können.

Ein Detail am Rande, auch hier im nördlichsten Shop des Landes kann man mit Kreditkarte zahlen.

Auch heute geht es wieder früh ins Bett, da Morgen der bis jetzt längste Tag unserer Tour ansteht.

 

Day 7 – 22.11. – 55km – Waitiki Landing – Hukatere Lodge

Unser längster Tag bisher begann schlecht. Sarah konnte nicht einschlafen und bekam nur etwas mehr als 3h Schlaf. Eine schlechte Basis für einen langen Tag. So dauerte es auch ein bisschen länger, bis wir alles zusammengepackt hatten und aufbrechen konnten. Mittlerweile war es 8:45 Uhr. Wir hatten geplant früh zu starten, um so weit wie möglich zu kommen, bevor die Flut das Weiterradeln unmöglich machen würde. Dann würden wir eine Mittagspause einlegen, (rund 2h) bevor wir dann in die nächstgrößere Stadt (Kaitaia) radeln würden. Soweit der Plan.

Nun zur Realität. Es dauerte fast eine Stunde, bis wir zum Te Paki Stream kamen und von dort eine weitere Stunde und einen Patschen bis zum Strand. Am Strand angekommen sahen wir, dass die Flut schon relativ weit fortgeschritten war und wir kaum noch am Strand radeln konnten. Wir machten eine kurze Pause, entschieden dann aber die Räder zu schieben, um wenigstens ein bisschen weiter zu kommen.
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Irgendwann wurde das dann zu anstrengend und wir machten eine einstündige Pause. Während des ganzen Tages waren wir ununterbrochen in der Sonne, die Temperatur kletterte sicher über 25 Grad und entlang des Strandes gibt es keinen Schatten. Dazu kam noch ein Wind aus südöstlicher Richtung, Gegenwind. Wir hatten also Sonne und Gegenwind als Begleiter auf unserem Weg.

Als die Flut ein bisschen zurück ging fingen wir wieder an die Räder zu schieben und dann zu radeln. Das funktionierte auch ganz gut bis wir zum Manganui Bluff kamen. Dass Meer hatte sich noch nicht weit genug zurückgezogen und so konnten wir diese Stelle nicht passieren. Wir machten eine weitere Pause und kochten unsere letzten Vorräte an Nudeln, abgesehen von 2 Äpfeln, alles was wir noch an Lebensmitteln hatten.

Wir trafen auf Surfer, die mit Kühlboxen voller Essen und einem kühlen Bier in der Hand ebenfalls gerade eine Pause machten. Nachdem wir gegessen hatten konnten wir dann auch endlich weiterradeln, es war mittlerweile 16 Uhr.

Obwohl der Wind leicht nachließ, begann Sarah immer weiter zurückzufallen. Nach einer unserer stündlichen Pausen fuhr ich dann nur noch neben ihr her. Sie musste alle paar Minuten kurz pausieren. Die schlaflose Nacht ging ihr wohl sehr an die Substanz.

Kurz nach 18 Uhr fuhr ein Pick-up Truck an uns vorbei, wurde langsamer und ließ das Fenster herunter. Der Fahrer erzählte uns von einem Campingplatz rund 20km entfernt, inkl. warmer Dusche. Auf meine Frage hin wie weit wir denn von Waipapakauri (wo wir den Strand verlassen und auf den Highway wechseln wollten und unserem Plan B für die Nacht) entfernt sind, antwortete er “40km”.

Das kam wie ein Schlag in die Magengrube. Wir wussten beide, dass wir es an diesem Tag niemals dorthin schaffen würden. Als sich der Truck wieder entfernte beratschlagten wir uns kurz und entschieden, es bis zu diesem Campingplatz zu schaffen, unsere Essensreste als Abendessen zu haben und am nächsten Tag früh zum nächsten Shop aufzubrechen um zu frühstücken.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir dann eine Ausfahrt die vielversprechend aussah. Wir verließen den Strand und sahen schon die ersten Schilder, die zur Hukatere Lodge führten. Rund einen Kilometer entlang einer gewundenen Schotter/Sandstraße schlängelte sich unser Weg durch die Dünen. Wir öffneten und schlossen ein paar Viehgatter, bevor wir dann endlich den Campingplatz erreichten.

Empfangen wurden wir von einem Mädchen, dass uns einen Zeltplatz zeigte und uns darauf verwies, dass die Besitzerin gerade dabei sein ein Problem mit dem Wasser zu beheben (also doch keine warme Dusche?).

In der Gemeinschaftsküche wurde gerade gekocht, rund acht Leute wuselten da herum. Als wir unser Essen wärmen wollten kam die Besitzerin, Gabi, herein. Nach einer herzlichen Begrüßung erzählten wir ihr von unserem Tag und dass dies unsere letzten Essensreserven seien. Daraufhin lud sie uns ein gemeinsam mit dem Rest der Gruppe zu essen. Wir nahmen dankend an und füllten unsere leeren Tanks.

Es stellte sich heraus, dass Gabi, wie die meisten ihrer “Wwoofer”, Deutsche ist. Sie wanderte vor 21 Jahren aus, ließ die Werbebranche und den Schwarzwald hinter sich und kaufte ein Grundstück am anderen Ende der Welt. Heute hat sie Kühe, Pferde, Hühner, Hund und eben ihre Lodge.

Sie bot uns an am nächsten Morgen Frühstück zu machen. Wir trauten kaum unseren Ohren. Erschöpft, aber glücklich darüber, dass dieser Tag doch noch ein Happy End fand, gingen wir schlafen.
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Day 8 – 23.11. – 50km – Hurakete Lodge – Kaitaia

Nach einem guten und ausgiebigen Frühstück und das alles für $20/Person/Nacht machten wir noch ein Foto mit Gabi und brachen auf.
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Kaum, dass wir aufgebrochen waren stellte Sarah fest, dass in ihrem Hinterreifen kaum noch Luft war. Wir hielten an pumpten den Reifen auf und weiter gings.

Die Strecke führte zuerst über Schotter und dann über eine asphaltierte Straße ins Landesinnere, in Richtung Highway 1. Von dort waren es dann noch 40, hauptsächlich flache, Kilometer bis nach Kaitaia. Kurz nachdem wir auf den Highway kamen hatte Sarah allerdings wieder keine Luft im Reifen. Wir hielten am Straßenrand und wechselten den Schlauch. Dabei fiel mir auf, dass das Felgenband gerissen war. Ich versuchte es provisorisch mit Tape zu fixieren und es schien zu halten.

Nach einem kurzen Stop bei einem kleinen Geschäft mit Fleischerei im Verkaufsraum, wo wir uns mit Brot fürs Mittagessen eindeckten, erreichten wir dann Kaitaia. Das war der erste einfache Tag seit langem.

Nachdem wir im Hostel angekommen waren und unsere Sachen ablegten machten wir uns auf zu Pak’n’save. Das erste Mal seit einer Woche konnten wir wieder günstige Lebensmittel kaufen. Auf dem Weg dorthin verlor Sarahs Hinterreifen wieder Luft. Es führt wohl kein Weg an einem Fahrradgeschäft vorbei.

Vorerst kauften wir jedoch frisches Obst und Gemüse für die nächsten Mahlzeiten ein. Das Gewicht der Lebensmittel spielte vorerst keine Rolle, da der nächste Tag ein Ruhetag werden sollte und nur 14 flache Kilometer nach Ahipara anstanden.

Den Rest des Tages verbrachten wir damit, die Räder und die Taschen von Sand zu befreien und mit Nichtstun.

 

Day 9 – 24.11. – 0km – Kaitaia

Nach einem weiteren guten Frühstück machten wir uns auf ein Fahrradgeschäft zu finden. Was wir nicht bedachten, bzw. einfach nicht wussten war, dass heute Sonntag ist. Normalerweise ist das in Neuseeland kein Problem in einer Kleinstadt wie Kaitaia, aber anscheinend schon. Es hatte beinahe nichts geöffnet. Der Shop den wir im Internet gefunden hatten war allerdings nicht nur nicht geöffnet, er existierte auch nicht (mehr). Wir spazierten noch ein bisschen durch die Stadt und fanden ein Schaufenster, das für den “Bike-Man” warb, der Fahrradreparaturen und sonstiges rund ums Rad anbot. Dort werden wir morgen unser Glück versuchen.

Zurück im Hostel bezahlten wir also für eine weitere Nacht. Danach machten wir uns des Internets wegen zur lokalen iSite/Bibliothek auf. Dort trafen wir ein paar Kinder im Alter von 11-12 Jahren, die vor der Hitze ins kühle Gebäude geflüchtet waren. Sie erkannten sofort, dass wir nicht von hier sind. Mit meiner Statur, heller Haut und blonden Haaren bin ich hier, im vornehmlich von Maori bewohnten Norden eine außergewöhnliche Erscheinung. Mit dem Stempel “Nicht von hier” waren wir natürlich interessanter als alles andere und so kamen wir mit den Burschen ins Gespräch.

Es klang so, als hätten ihre Eltern nicht wirklich viel Zeit sich um sie zu kümmern und einer von ihnen schien überhaupt obdachlos zu sein. Was Erfahrungen mit Alkohol und Drogen anging, schien es ihnen allerdings nicht zu mangeln.

Eine ehemalige Lehrerin der Kinder kam vorbei und erzählte uns, dass es gestern entlang der ganzen Westküste im Norden Hakas und Demonstrationen gab. Der Grund dafür ist, dass Ölmultis Neuseeland entdeckt haben und in einigen Orten mit Offshore Bohrungen begonnen hatten.

Als wir die Bibliothek verließen trafen wir einen Mann, der gerade dabei war einen Petition gegen die Ölförderung aufzusetzen. Es klang so, als ob eine breite Öffentlichkeit mobilisiert werden könnte. Ich hoffe für Neuseeland, dass sich die Bevölkerung zur Abwechslung einmal durchsetzen kann. Eine Ölkatastrophe, wie im Golf von Mexiko, wäre wohl das Ende des einzigartigen Ökosystems.

 

Day 10 – 25.11. – 0km – Kaitaia

Der Tag begann gleich mit einer Enttäuschung. Der “Bike-Man” war nicht zu erreichen und so beschlossen wir ein Busticket zurück nach Auckland zu kaufen.

Den Rest es Tages verbrachten wir im Museum und der iSite/Bibliothek. Draußen regnete es immer wieder.

Danach machten wir dann noch ein paar Besorgungen und bereiteten die Räder auf die Busfahrt vor. Obwohl ich ein bisschen enttäuscht bin, dass wir nicht nach Auckland radeln können, so bin ich doch froh, Kaitaia endlich zu verlassen.

Noch ein lustiges Detail am Rande. Auf den Souvenirs von Kaitaia ist überall Cape Reinga und der Leuchtturm zu sehen. Das Cape ist mehr als 100km entfernt. Das ist in etwa so, als ob St.Pölten mit dem Steffl oder dem Riesenrad werben würde.

 

Day 11 – 26.11. – 0km – Kaitaia – Auckland

Es regnete in Strömen, als wir unsere Räder in aller Früh zur Bushaltestelle schoben. Der Bus von Kaitaia nach Kerikeri (wo wir umsteigen mussten) hatte rund 25 Sitzplätze und einen Anhänger fürs Gepäck. Unsere Räder hatten darin gerade so Platz. Der Bus hatte einen Beifahrersitz, auf dem man als Passagier Platz nehmen konnte. Ein Australier machte davon Gebrauch und unterhielt sich die ganzen zwei Stunden bis nach Kerikeri ohne Pause mit dem Fahrer. Er war selbst Busfahrer und Tourguide in Australien und hatte einige Geschichten zu erzählen. Rund 80% von dem was der Australier von sich gab war “yeah” oder “bloody”. Seine hohe Stimme drang auch noch in den letzten Winkel des Busses vor.

In Kerikeri mussten wir dann in einen größeren Bus umsteigen, der uns dann mit einer kleinen Pause bei einem Cafe nach Auckland brachte. Dort angekommen entpackten wir unsere Räder und machten uns zu einem Hostel auf, dass wir uns vorher ausgesucht hatten. Beim Hostel angekommen hieß es, dass derzeit kaum noch Zimmer frei wären, wir aber einen Zeltplatz haben könnten. Wir nahmen dankend an. Zelten in der Mitte einer großen Stadt wie Auckland schien ein Schnäppchen zu sein. Der Zeltplatz bestand allerdings mehr aus Bauschutt als aus Wiese und so konnten wir mein Zelt nicht aufstellen. Wir wurden an ein Hostel gleich in der Nähe verwiesen, in dem es noch freie Zimmer geben sollte. Der ganze Kontakt verlief per Telefon mit der “Managerin”, die allerdings in keinem der beiden Hostels anzutreffen war. Das andere Hostel hatte tatsächlich noch ein Zimmer frei.

Am Abend gingen wir dann zum SkyTower, dem höchsten Gebäude Aucklands. Mitten im Stadtzentrum platziert hat man von dort einen wunderbaren Blick über die Stadt. Um zur 220 Meter hohen Aussichtsebene zu kommen, sind $18 für Studenten bzw. $28 für Erwachsene zu bezahlen. Das klingt erstmal viel, zahlt sich aber komplett aus. Wir kamen zur vor Sonnenuntergang oben an und die Stadt somit bei Tag und Nacht aus der Höhe bewundern.
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Day 12 – 27.11. – 0km – Auckland

Nach dem Frühstück sind wir ein bisschen durch die Stadt spaziert, genauer gesagt auf den Mount Eden, von dem man eine tolle Aussicht auf das Stadtzentrum hat. Wie viele andere Erhebungen in und um Auckland ist auch der Mount Eden ein Vulkan. Der Mit Gras überwachsene Krater ist noch immer beeindruckend.

Danach wollten wir ins Stadtzentrum gehen und uns dort genauer umschauen, es begann allerdings zu regnen und so beschlossen wir zurück ins Hostel zu gehen. Am späten Nachmittag brachte Sarah ihr Fahrrad dann zu einem Shop, wo der Schlauch gewechselt und das Felgenband erneuert wurde. Ich hoffe, dass damit das Problem behoben ist.

Im Anschluss daran planten wir dann die nächsten Tage.

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