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Der Blog über mein Auslandssemester in Neuseeland ist noch immer hier.

Wo soll's denn hingehen?

28
July
2013
Kaikoura

Am Mittwochabend, nach dem Meeting des Trampingclubs, stellten Sarah, Will und ich fest, dass wir am nächsten Tag entweder keine Vorlesungen haben, oder in Will’s Fall, die Anwesenheit nicht unbedingt erforderlich ist ;). Da für den nächsten Tag wieder extrem gutes Wetter angesagt wurde entschieden wir uns, den Tag für einen Ausflug zu nutzen. Nach einer kurzen Planung stand dann auch das Ziel unserer Reise fest: Kaikoura, eine Stadt knapp 200km nördlich von Christchurch. Wir mieteten ein Auto und Fahrräder (um das Auto vom Flughafen abholen zu können) und machten Pläne für den Aufenthalt in Kaikoura.

Um 7:45 Uhr brachen wir, das sind Sarah, Heiko, Will und ich, in Richtung Flughafen auf um das Auto abzuholen. Unser Ziel war der Standort der Firma “Jucy Rentals”, die sich nach einem kurzen Vergleich im Internet als günstigster Vermieter herausstellten. Dort angekommen erfuhren wir, dass unser Auto nicht verfügbar war und wir auf das nächst teurere Auto upgraden mussten. Da der Unterschied nur ein paar Dollar betrug war das nicht weiter tragisch, außerdem wollten wir unbedingt nach Kaikoura.

Da Heiko und ich noch keinen übersetzten Führerschein hatten konnten nur Sarah und Will fahren. Für die beiden war es auch das erste Mal und so waren sie schon gespannt wie es wohl ist auf der “falschen” Seite der Straße zu fahren und als Fahrer auf der “falschen” Seite zu sitzen. Will wollte zuerst fahren und so war er es, der uns sicher nach Kaikoura brachte. Die größten Probleme bereitete ihm der Blinker bzw. der Scheibenwischer, welche er des öfteren verwechselte. Darüber hinaus beschrieb er die Position des Fahrers in Relation zum Auto als ungewohnt. Also wo die vier Ecken des Fahrzeugs sind. Da wir nur auf einem Highway fahren mussten hatte er genug Zeit und Platz sich daran zu gewöhnen, bevor etwas mehr als zwei Stunden nach der Abfahrt in Kaikoura ankamen.
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Während es in Christchurch noch ziemlich frisch war, hatte es in Kaikoura angekommen schon etwa 15 Grad bei strahlendem Sonnenschein und so entschied ich mich, dass eine kurze Hose und ein T-Shirt ausreichen. Nach dem wir uns der unnötigen Schichten entledigt hatten brachen wir dann zu einem ca. 12km langem Rundwanderweg um die Halbinsel von Kaikoura auf. Nachdem wir die ersten Meter am Strand entlang gingen verließen wir die Küste um zum anderen Ende der Halbinsel zu kommen. Dazu mussten wir einen Hügel überqueren, der stellenweise extrem matschig war. Auf der anderen Seite angekommen erwartete uns ein atemberaubendes Panorama. Vor uns lag das Meer und direkt daran anschließend konnte man die Südalpen sehen. Wir setzten unseren Weg entlang der Küste fort bis wir zu einem Schutzgebiet kamen.
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Dieses Schutzgebiet wurde errichtet um die dort lebenden Vogelkolonien und die Seehunde zu beschützen. Der Wanderweg führte durch das Schutzgebiet über die hügelige Halbinsel bis an die Klippen. Am südlichsten Punkt der Halbinsel führt ein Pfad zum Fuß der Klippen. Unten angekommen stand ein Schild, welches uns darauf aufmerksam machte, dass sich ab diesem Punkt Nistgebiete von Vögeln und Seehundkolonien befinden, dass man diese Tiere nicht stören darf und, dass man zu den Seehunden einen Mindestabstand von 10m halten muss. Neugierig machten wir uns also auf die Suche nach Seehunden. Hinter einem weiteren kleinen Hügel befand sich eine Kalksteinformation die aus dem Meer ragte. Erst bei näherer Betrachtung konnten wir feststellen, dass die dunklen Flecke auf den Steinen Seehunde waren. Vorsichtig näherten wir uns den Tieren, die im Sonnenlicht faulenzten. Sie nahmen zwar Notiz von uns, ließen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und so entschieden wir uns noch ein bisschen näher hinzugehen.
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Nach etwa einer Viertelstunde und unzähligen Seehund-Fotos später setzten wir unseren Spaziergang fort. Einige hundert Meter später sahen wir wieder eine Kolonie und die Prozedur wiederholte sich. Nachdem auch diese Seehunde ausreichend dokumentiert waren gingen wir weiter bis wir am Ende des Weges zu einem Parkplatz kamen. Dort machten wir auf einer Bank im strahlenden Sonnenschein eine kurze Mittagspause. Erst nach ein paar Minuten fiel uns auf, dass rund um uns in Büschen, am Strand und auf einigen Felsen Seehunde lagen. Solange sie sich nicht bewegen scheinen sie beinahe unsichtbar zu sein, besonders wenn man nicht damit rechnet auf sie zu stoßen. Wir gingen ein bisschen am Strand entlang um ein besonders großes Exemplar, welches auf einem Felsen thronte, zu fotografieren, auf dem Weg zurück zur Bank, vertieft in ein Gespräch stiegen wir fast auf einen Seehund. Dieser wusste dies allerdings durch ein Fauchen zu vermeiden. Erschrocken sprangen wir einen guten Meter zurück. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal beinahe auf einen wilden Seehund steige.
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Die Sonne begann schon zu sinken und wir entschieden uns, den Rundweg schnell zu beenden und dann mit dem Auto wieder zu diesem Parkplatz zurück zu fahren um den Sonnenuntergang zu genießen. Auf dem Weg zum Auto gingen wir der Sonne entgegen, die die dunstige Luft beleuchtete, wodurch die Umgebung noch spektakulärer wirkte. Entlang des Weges begegnete uns ein Fahrradfahrer, der während des Fahrens Gitarre spielte. So etwas gibt es wohl auch nur in Neuseeland. Der Weg zurück war etwas länger als erwartet und als wir schließlich den Wagen erreichten war der Sonnenuntergang schon im Gange. Wir fuhren trotzdem zurück zu dem Parkplatz um noch die letzten Sonnenstrahlen zu genießen.
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Wir nahmen wieder auf der Bank Platz, beobachteten die Seehunde die nur wenige Meter entfernt von uns lagen und aßen noch eine Kleinigkeit. Etwa fünf Meter links von der Bank standen ein paar Büsche, die anscheinend das Nachtlager der Seehunde waren und wenige Meter rechts von der Bank lag ein Seehund, der genau wie wir die letzten Sonnenstrahlen genoss. Nachdem die Sonne untergegangen war machte er sich auf den Weg zu den Büschen, auf dem Weg dorthin musst er an uns vorbei. Plötzlich, ca. vier bis fünf Meter entfernt, begann er zu fauchen, sich aufzurichten und begann auf uns zuzusprinten. Diese Tiere können echt deutlich schneller sein, als man es ihnen ansehen mag. Ich hatte meine Schuhe ausgezogen, mein Rucksack lag auf der Bank und ich hatte meine Kamera in der Hand. Als er begann auf uns zuzurobben machte ich gerade ein paar Fotos, als ich merkte, dass er immer näher kam sprang ich auf, schnappte meine Sachen und suchte das Weite. Gerade angekommene Touristen, die mit ihrem riesigen Wohnwagen ein paar Meter entfernt von dem Seehund parkten fanden das anscheinend sehr komisch…
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Nach diesem Schock, dem langen Tag und der bereits fallenden Temperatur fuhren wir zurück ins Zentrum von Kaikoura und tranken eine heiße Schokolade, bevor wir uns dann auf den Rückweg machten. Da wir noch etwas Zeit hatten, bevor wir das Auto und die Fahrräder zurückgeben mussten, entschieden wir uns unterwegs noch anzuhalten um den Sternenhimmel zu bewundern. Etwa auf halbem Weg zwischen Kaikoura und Christchurch, fuhren wir vom Highway auf einen Feldweg ab, fuhren ein bisschen weiter, bis man nicht einmal mehr die Lichter der am Highway fahrenden Autos sehen konnte und hielten dann am Rand dieses Feldweges an. Als wir ausstiegen waren wir überwältigt davon, wie hell und klar die Sterne zu sehen waren, über uns konnte man ganz klar und mit freiem Auge die Milchstraße erkennen! Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen so beeindruckenden Sternenhimmel gesehen.
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Obwohl es mittlerweile schon deutlich abgekühlt hatte, blieben wir ca. eine Stunde dort, versuchten die Schönheit des Sternenhimmels mit unseren Kameras einzufangen und genossen diesen atemberaubenden Anblick. Meine Kamera war leider nicht in der Lage Fotos zu machen, die diesem spektakulären Anblick auch nur annähernd gerecht wurden. Will hatte da etwas mehr Glück, da seine Kamera höhere ISO-Werte verwenden kann und der Prozessor diese anscheinend auch vernünftig verarbeiten kann. (Er hat mir seine Fotos dankenswerter Weise zur Bearbeitung überlassen. Sie sind am Ende des Eintrags zu finden.) Nachdem wir noch für ein paar Langzeitbelichtungen posierten, machten wir uns dann endgültig auf den Weg zurück nach Christchurch, wo wir dann gegen 23 Uhr ankamen. Obwohl ich seitdem ich hier angekommen bin schon einige unglaublich schöne Tage hatte, stellt dieser alles andere in den Schatten, der unglaubliche Anblick des Sternenhimmels war da nur eine Draufgabe.
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Big Thanks to Will Rynearson for providing me with his RAW-Files:
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